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Personenversicherung

Löst Bürgerversicherung die Krankenversicherung ab?

In Deutschland gibt es fast schon eine Zwei-Klassen-Medizin, wenn man private und gesetzliche Krankenversicherungen miteinander vergleicht. Zum Wahlprogramm der SPD gehörte im vergangenen Jahr die Idee einer so genannten Bürgerversicherung, für die sie sich auch heute noch in den Koalitionsverhandlungen stark macht.

Privatpatienten erhalten teilweise eine bessere Behandlung

Mit Sicherheit ist dieses Konzept eine Überlegung wert, denn Ärzte können bei Patienten je nach Versicherung unterschiedliche Gebühren verlangen. Für Kassenpatienten steht ein gewisses Budget zur Verfügung, so dass Privatpatienten nicht selten bevorzugt behandelt werden.

Da für Privatversicherte die Gebührenordnung mittlerweile veraltet ist, können auch höhere Abrechnungen erfolgen. Oftmals werden sogar Behandlungen durchgeführt, die eigentlich aus medizinischen Gründen gar nicht notwendig wären. Lediglich in Kliniken werden keine Unterschiede gemacht, hier sind alle Patienten gleich.

Gründe für die Einführung der Bürgerversicherung

Bis heute haben nicht alle Bürger die Möglichkeit selbst zu entscheiden, ob sie privat oder gesetzlich versichert sein möchten. Dieses Privileg blieb bisher nur Beamten Selbstständigen und den besser verdienenden Angestellten vorbehalten.

Da vorab immer eine Gesundheitsprüfung erfolgt, bleibt die Privatversicherung chronisch Kranken und Menschen mit Behinderungen in der Regel verwehrt, oder sie müssen hohe Zuschläge in Kauf nehmen. In der Bürgerversicherung sollen sich die Beiträge nicht am jeweiligen Gesundheitsstatus orientieren, sondern je nach Einkommen festgelegt werden. Werden Beamten künftig in eine einheitliche Krankenversicherung mit einbezogen, würde dies den Staat finanziell enorm entlasten.

Für eine Bürgerversicherung spricht auch die Tatsache, dass sich ein Großteil der privat versicherten Patienten die mit dem Alter steigenden Beiträge fast nicht mehr leisten kann. Im Alter ist ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung jedoch nicht mehr ohne weiteres möglich.

Das geplante Konzept der Bürgerversicherung

Karl Lauterbach von der SPD und die Rürup-Kommission haben den Plan der Bürgerversicherung bereits im Jahr 2003 zusammen ausgearbeitet. Durch die Einbeziehung aller Bürger, unabhängig von der Höhe des Einkommens, soll die Gesundheitsversorgung solidarisch finanziert werden. Diese innovative Form der Krankenversicherung soll das Leistungsniveau anheben und gleichzeitig für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen.

Was die Umsetzung und Finanzierung der Bürgerversicherung angeht herrscht noch keine Einigkeit. Allerdings sollen künftig die Ärzte einheitlich vergütet werden, wobei es auch weiterhin eine private Krankenversicherung geben wird. Das Grundpaket der Bürgerversicherung könnte dann auf Wunsch privat durch weitere Zusatzversicherungen ergänzt werden. Es wäre aber auch denkbar, dass die gesetzlichen und privaten Versicherungsgesellschaften im Rahmen der Bürgerversicherung eigene Angebote machen. Es wird gefordert, dass sich Arbeitnehmer und -geber die Kosten für die Beiträge hälftig teilen.

Das könnte gegen die Bürgerversicherung sprechen

Wo Licht ist, da ist bekanntlich ja auch Schatten, das könnte auch für die Bürgerversicherung gelten. Momentan sind die meisten von der Idee begeistert, dass die Zwei-Klassen-Medizin abgeschafft wird, das System aus privater und gesetzlicher Krankenversicherung spaltet schon länger die Gemüter.

Allerdings dürfte vielen Ärzten das Konzept so gar nicht passen, denn Studien haben ergeben, dass es zu großen Honorarverlusten kommen würde. Gerade einige Fachärzte würde dies finanziell sehr hart treffen. Das könnte dazu führen, dass sich Praxen auf Dauer nicht finanzieren lassen und irgendwann schließen müssen.

Dann gibt es noch Bürger, die Angst haben, dass ihnen durch die Abschaffung des bisherigen Systems Nachteile entstehen, da zwischen den Versicherungen kein Wettbewerb mehr stattfindet. In der Folge könnte dies zu einer Kürzung und Rationierung der Leistungen führen. Außerdem darf man auch nicht vergessen, dass private Krankenversicherungen eine ganze Menge Stellen abbauen müssten.

Fazit: In einigen europäischen Ländern gibt es bereits eine Art Bürgerversicherung, zum Beispiel in den Niederlanden und in Großbritannien. Die Erfahrung hat dort gezeigt, dass sie dennoch beim Arzt lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Dies könnte aber auch durchaus daran liegen, dass die Dichte an Ärzten und Kliniken in diesen Staaten nicht so hoch ist. In Österreich hat sich das Konzept bisher bewährt, dank Zusatzversicherungen kann sich weiterhin jeder seine Gesundheitsversorgung individuell zusammenstellen. Nun heißt es für die Politiker, Vor- und Nachteile genau abzuwägen und dann die richtige Entscheidung zu treffen.

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